Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sektionen
Rückblick auf die Veranstaltung vom 06.11.2012
Sie sind hier: Startseite / Veranstaltungen / Vergangene Veranstaltungen / Tagung AMTS / Rückblick auf die Veranstaltung vom 06.11.2012

Rückblick auf die Veranstaltung vom 06.11.2012

Fehler in der Arzneimitteltherapie gehören zu den häufigsten Ursachen für Komplikationen in der medizinischen Behandlung. Wie eine sichere Therapie gewährleistet und Risiken minimiert werden können, war Thema der Tagung „Patientensicherheit – Arzneimitteltherapiesicherheit“, die am 6. November 2012 stattfand. Mehr als 150 Teilnehmer kamen zu der Fachveranstaltung ins Forum der Medizinischen Fakultät der Universität Köln.

Organisiert wurde die Tagung von der Pflegedirektion, die seit dem 01.07.2010 unter der Leitung von Vera Lux steht, sie ist Mitglied des Vorstandes der Uniklinik Köln und Pflegedirektorin. Da sie auch Gründungsmitglied des Aktionsbündnisses für Patientensicherheit ist, liegt ihr das Thema Arzneimitteltherapiesicherheit schon seit langem am Herzen.

So führte sie als Gastgeberin nach ihrer Begrüßung mit dem Vortrag „Patientensicherheit und Risikomanagement“ in das Tagungsthema ein und machte deutlich, dass Arzneimitteltherapiesicherheit ein wichtiger, wenn nicht der zentrale Baustein auf dem Weg zu mehr Patientensicherheit ist. Sie sagte: „Die Komplexität der Behandlungsverfahren nimmt stetig zu und damit steigt auch das Risiko von unerwünschten Ereignissen. Die Arzneimitteltherapie erfordert eine hohe Fachkompetenz seitens der Ärzte und Pflegekräfte, aber auch gut aufgeklärte Patienten und effektive Fehlermeldesysteme“.

Nach ihr sprach Dr. Andrea Liekweg, die seit dem Sommer 2011 die Stellvertretende Apothekenleitung der Uniklinik Köln ist. Unter dem Stichwort Arzneimitteltherapiesicherheit fasste sie Gefahren und mögliche Fehler bei der Medikation alltagsnah aus ihrer Sicht zusammen. Bezogen auf die Arzneimittelversorgung im Krankenhaus verdeutlichte sie die besonderen Herausforderungen - besonders vielen Schnittstellen und ein hoher Grad an Komplexität. Der Medikationsprozess im Krankenhaus sei vor allem deswegen so kompliziert, weil er neben diesen Schnittstellen und mitunter Medienbrüche aufweise. Als eine Möglichkeit, potentielle Fehlerquellen zu reduzieren zeigte sie die Unit-Dose-Versorgung auf, wie sie die Uniklinik Köln im Jahr 2013 einführen wird.

Welche Tabletten darf man teilen? Wie teilt man sie richtig? Wie vermeidet man Applikationsfehler? Diese Fragen beantwortete der Vortrag von Prof. Dr. Walter E. Haefeli. Der Ärztliche Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie am Universitätsklinikum Heidelberg begann seinen Vortrag mit ganz alltagspraktischen Tipps für den Umgang mit Patienten.

So riet er dazu, Patienten ruhig eine kurze Einführung in die Schlucktechnik zu geben. Beispielsweise enthalten Medikamenten in Kapselform neben dem Wirkstoff auch Luft – dementsprechend schwimmen sie auf Wasser. Versucht man sie klassischerweise mit nach oben gerecktem Kopf zu schlucken, fällt dies schwer. Das Wasser landet im Hals, die Kapsel jedoch bleibt im Mund. Dementsprechend ist es besser, den Kopf nach vorne zu neigen und dann zu schlucken.

Absolut verboten beim Tablettenteilen ist das Küchenmesser. Das Ergebnis ist schlicht zu ungenau. Sobald eine Bruchkerbe vorhanden ist, ruhig die Finger zur Hilfe nehmen und die Tablette mit Mut in einem Ruck teilen. Ansonsten helfen professionelle Tablettenteiler.

Nach der Mittagspause trug Prof. Dr. Ulrich Jaehde vor. Er ist der Leiter der Abteilung Klinische Pharmazie an der Universität Bonn. Seine Analyse weitete er über das Krankenhaus hinweg weiter aus und bezog den gesamten Versorgungsprozesses mit ein. So zeigte er an verschiedenen Fallbeispielen wie wichtig es ist, den Hausarzt oder das Pflegeheim über Änderungen der Dosierung oder Medikation zu informieren. Zahlreiche Wiedereinweisungen werden nötig, da die Dosierungsänderungen nicht vom Hausarzt übernommen werden – und das schlicht oft, weil er von der Änderung nicht erfahren hat.

Außerdem verwies Prof. Jaehde auf die PRISCUS-Liste, die 83 Wirkstoffe umfasst, die für alte Menschen gefährlich werden können. Ein alternder Organismus reagiert anders auf Medikamente als ein junger. Die Liste verweist außerdem auf geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von Komplikationen sowie therapeutische Alternativen.

Die Bedeutung von CIRS für die Arzneimitteltherapiesicherheit stand im Mittelpunkt des Vortrages von Dr. Thomas Groß, Leitung Zentralbereich Medizinische Synergien, Uniklinik Köln. CIRS bedeutet Critical Incident Reporting System. Es hat zum Ziel, Meldungen von Mitarbeitern zu "Beinahe-Unfällen" zu sammeln, zu analysieren und diese in Zukunft zu verhindern. Erfahrungen aus anderen Berufszweigen, zum Beispiel der zivilen Luftfahrt haben gezeigt, dass so wertvolle Hinweise auf bisweilen unterschätzte Gefahrenquellen gesammelt werden können.

Außerdem entwickelt sich so Fehlerkultur im Sinne einer professionellen Suche nach systembedingten Ursachen von Fehlern. Dr. Groß zeigte auf, dass ein Unfall in der Regel durch die Verkettung von mehreren "Critical Incidents", welche jeder für sich alleine genommen noch keinen Schaden hervorruft. Statistisch muss also in einem System ein "Critical Incident" mehrere Male auftreten, bevor es in Kombination mit einem anderen "Incident" zu einem relevanten Schaden kommt. Derartige Incidents zu identifizieren und zu vermeiden ist eine Aufgabe von CIRS.

Abschließend wurde der Aspekt der Sicherheit durch Priv.-Doz. Dr. Stephan Padosch noch ausgeweitet. In seinem Vortrag „The Second Victim – Der vergessene Patient“ zeigte der Leitende Oberarzt der Intensivmedizin der Uniklinik Köln auf, dass ein medizinischer Fehler nicht nur dem Patienten Schaden zufügen kann, sondern auch die beteiligten Pflegekräfte und Ärzte belasten kann. Die Folgen für die Betroffenen reichen, je nach Erlebnis und individueller Vorbelastung, von vorübergehend leichten psycho-physischen Beein¬trächti¬gungen bis hin zur akuten Belastungssituation und möglichen weiterreichenden Folgen. Diese können in extremen Einzelfällen bis in die Arbeitsunfähigkeit führen. Priv.-Doz. Dr. Stephan Padosch zeigte Wege auf, die dies verhindert können. Des Weiteren forderte er die Einführung eines Critical Incident Stress Management (CISM), so wie es in einigen Kliniken in den USA existiert.

Abschließend bedankte sich Vera Lux bei allen Referenten. Besonders betonte sie hierbei die gute Zusammenarbeit zwischen Pflege und Apotheke an der Uniklinik Köln. Gerade angesichts der zunehmenden Komplexität der Behandlung, den älter werdenden Patienten und der zunehmenden Multimorbidität werde man das Thema Arzneimitteltherapiesicherheit bald wieder aufgreifen.